Verzerrtes Körperbild

Ergänzungen zum Buch “Die menschliche Seite des Projekterfolgs” von Peter Siwon, dpunkt.verlag, 2010

Das Thema Neurologie, Psychologie und Projektmanagment ist ständig im Fluss. Damit Sie als Leser meiner Publikationen von meinen aktuellen Erkenntnissen und Erfahrungen profitieren können, habe ich das wichtigste und interessanteste auf dieser Website für Sie zusammengestellt.

Verzerrtes Körperbild

Selten stimmen Spiegelbild und Selbstbild überein
Selten stimmen Spiegelbild und Selbstbild überein

01/2011, Peter Siwon: Der Mensch hat nicht nur ein verzerrtes Selbstbild wenn es um die Einschätzung eigener Fähigkeiten und Eigenschaften geht, sondern auch, wenn es um die Dimensionen seines Körpers geht. Matthew Longo und Patrick Haggard des University College of London fanden heraus, dass Menschen die Länge Ihrer Gliedmaßen intuitiv falsch einschätzen.

Zwar informieren spezielle Sensoren den Körper über die Stellung der Gelenke, aber nicht über die Beschaffenheit (Länge, Dicke, etc.) der Körperteile. Da es dafür keine Sensoren gibt, gehen die Forscher davon aus, dass sich das Gehirn aufgrund anderer Wahrnehmungen ein Körpermodell entwickelt hat, das diese Informationslücke schließt. Wir haben also ein virtuelles Männchen im Kopf, das unseren Körper simuliert. Die Forscher wollten nun herausfinden wie realitätsnah dieses Modell ist. Dazu wurden Probanden gebeten, Ihre Hand unter einen Sichtschutz zu legen und anschließend auf dem Sichtschutz die Stellen zu markieren, unter denen sie ihre Fingerspitzen und Knöchel vermuteten.

Das Ergebnis: Die Länge der Finger außer des Daumens wurden kürzer eingeschätzt, während die Abstände zwischen den Knöcheln als zu lang angenommen wurden. Warum kommen wir trotzdem gut mit unseren Händen klar? Möglicherweise liegt es daran, dass wir die Ungenauigkeiten des Modells durch andere Wahrnehmungen korrigieren. Inwieweit diese Verzerrungen auch für andere Körperteile zutreffen, ist noch zu klären.

Fazit: Ein weiterer Beleg dafür, dass wir nicht davon ausgehen können, dass wir die Welt objektiv wahrnehmen. Wenn es schon beim eigenen Körper nicht klappt.

Quellen:
– pnas online 2010; DOI:101073/pnas.1003483107
– Gehirn&Geist 9/2010

Bild: Ralf-Udo Thiele – Fotolia

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